Ausgabe A 6. Jahrgang Baden-Baden, 29. September 1951 ı Nr. 39

Fachzeitschrift für das deutsche Filmwesen

Aus dem Inhalt

Industriewerk Synchronisation

Wir sprachen Joe Stöckel und Dagmar Rom

Wildwestmanieren der Kölner Polizei

Columbias reiches Angebot

„Hoffmanns Erzählungen“ jetzt mit deutschen Sängern

Entweder Cannes oder Venedig

Filme im Spiegel der Kritik

PREIS

60

D-PFENNIG

Peggy Dow, der Typ des jungen Mädchens von heute spielte sich schnell in die vordere Reihe der Hollywood-Stars. Mit den Filmen „Dein Leben in meiner Hand“, „Sieg über das Dunkel“ und „Mein Freund Harvey” kommt sie jetzt nach Deutschland, Foto: Universal-International

König dreht „Drei Kavaliere”

Die Dreharbeiten zu „Drei Kavaliere nach einer Idee von Hans Heinz König, Dreh- buch: H. König undLacmüller, begannen am 24. 9. in Oberau bei Berchtesgaden, Richard König will mit den „Drei Kavalieren“ einen Erfolgsfilm gleich der „Fidelen Tankstelle” schaffen und vertraut dabei auf Joe Stöcel, der Regie führt und die Hauptrolle. spielt und eine Komikerbesetzung. Als weitere Darsteller

wurden verpflichtet:

ErikaRemberg,Harald Holberg, Beppo Brem, Margarethe Haagen, Willy Reichert, Harald Mannl, Erika v. Thellmann, Ludwig Bender, Fred Kallmann, Charlotte Dauder-+t, Lucie Eng- lisch, Jupp Hussels, Erhard Siedel und Ernst Rotmund. Die Musik schreibt Werner Bochmann. Die Bauten erstellt Max Seefelder. Den Ton steuert Hans Wunschel. Regie-Assistent und Schnittmeister: Adolph Schlyssleder. Aufnahmeleitung: Gustl Lauterbacher. s

Pontus dreht auf Sizilien

Im Oktober wird Geza von Cziffra im Rahmen der Pontus-Produktion mit den Auf- nahmen für seinen neuen großen Farbrevue- Film „Der bunte Traum“ beginnen. Es sollen zunächst Außenaufnahmen der Spielhand- lung auf Sizilien gedreht werden.

Für diesen Eisrevue-Film wird übrigens eine Eiskunstläuferin gesucht, die eine der weiblichen Hauptrollen übernehmen kann. Nach den An- gaben von Geza von Cziffra muß dieses neue „Häseken“ nach dem Vorbild der Sonja Henie jung, charmant, schauspielerisch begabt, gut gewachsen und blond sein. :

Im Mittelpunkt der Eisrevueszenen stehen unter anderen, wie schon berichtet, das welt- bekannte Eisläuferehepaar Maxi und Ernst Baier, ein internationales Eisballett sowie hervorragende Einzelkönner der europäischen Eiskunstlauf-Elite.

„Lied der Heimat”

Die Filmproduktion Bühne und Film GmbH,.-

Karl Schulz, (früher Schulz und Wwuellner Filmfabrikation und Vertrieb) bearbeitet gegen- wärtig einen Filmstoff um das Deutsche Volks- lied mit dem Titel „Lied der Heimat”,

Der Stoff schildert eine romantische Liebes- geschichte, die deutsche Volkslieder filmisch und musikalisch zur Geltung bringt.

E-Film gegründet

. Unter dem 31. 8. wurde im Handelsregister

die E-Film, Europäische Film GmbH, Sitz Frankfurt/Main, eingetragen. Unternehmens ist die Herstellung und der Ver- trieb von Filmen sowie die Beteiligung an ähn- lichen Unternehmungen.

Als Geschäftsführer zeichnet der General- sekretär der Europa-Union Otto Blessing. Die Dreharbeiten zu dem ersten Spielfilm der E-Film, „Bankett der Schmuggler“, der in Ge- meinschaftsproduktion mit der Teve-Film, Brüssel, entsteht, haben bereits begonnen.

ai r r

Zur Uraufführung seines Films „Der Verlorene“

weilte Peter Lorre in Frankfurt, mit ihm der Journalist Egon Jameson, der auf Grund von langwierigen Er- mittlungen tatsächlicher Vorgänge Lorre den Filmstoff lie- ferte. Die verantwortungsbewußte Anlage und spannungs- volle Durchführung des Films fanden die uneingeschränkte

Zustimmung von Presse und Publikum, “Foto: National-Film

492

Zweck des..

Zusammenschluß der Filmdarsteller Am 18. 9. tagte in München eine Gruppe von Filmdarstellern mit dem Zweck, den „Deut-

schen Verband der Filmdarstel- ler“ zu gründen. Die Filmdarsteller beantrag- ten ihre Aufnahme in die DACHO. An Stelle eines Vorstandes wurde fürs erste ein Arbeits- ausschuß gebildet, der bis zum endgültigen Aufbau des Verbandes die Funktionen des Vor- standes übernimmt. Diesem gehören Luise Ullrich, Kurt Meisel und Adrian Hoven

an.

Die Gründungsmitglieder des Deutschen Verbandes. der Filmdarsteller sind Luise. Ullrich, Grethe Weiser, Inge Egger, Hansi Knoteck, Renate Mannhardt, Gusti Kreisel, Edith Meinel, Franziska Kinz, Hans Albers, Viktor Staal, Rudolf Schündler, Adrian Hoven, Karl Schönböck, Jaspar v. Oertzen, Hans Zesch-Ballot, Kurt Meisel, Walter Ladengast, Waldemar Frahm, Helmut Wittrich, Harald Holberg und Charlott Daudert. Wg-

Harlan-Film „Hanna Amon“ erfuhr keine

Unterbrechung

Wie wir uns in Göttingen selbst überzeugen konnten, sind die Dreharbeiten am Harlan- Farbfilm „Hanna Amon“ entgegen allen anderslautenden Meldungen nach Beendigung der Außenaufnahmen in den Bayerischen Bergen seit über 14 Tagen in vollem Gange. Der Un- fall von Kristina Söderbaum hatte nur zu einer geringfügigen Unterbrechung geführt. E.B.

Erster Film-Sonderzug zu „Johannes und die 13

Schönheitsköniginnen“

Der neue Agfacolor-Farbfilm der Berolina „Johannes und die 13 .Schönheitsköniginnen" wurde am 27. 9. im Turm-Palast Frankfurt ur- aufgeführt. Der Start dieses heiteren Spiels um die Wahl der Miß Europa erhält sein besonderes Gewicht durch den Einsatz des ersten. Film- sonderexpreß‘' der deutschen Bundesbahn, der mit den Hauptdarstellern sowie den in diesem Film mitwirkenden Schönheitsköniginnen aus zahlreichen europäischen Ländern von München zum Uraufführungsort Frankfurt fuhr und von dort eine Rundreise zu den Städten der ersten großen Einsätze dieses Films macht.

Herbert Kirchhoff

entwirft zur Zeit die Dekorationen für den Real-Film „Die Stimme“ und verfolgt dabei ein interessantes Prinzip. Kirchhoff arbeitet nach Originalfotos von Straßen, Wohnungen und Arbeitsräumen, die den Schauplätzen des Drehbucs entsprechen. Regisseur Erich Engel weilt zur Zeit in München, um mit den Autoren des Films-Fritz Kortner und Horst Budjuhn letzte Drehbucharbeiten vorzunehmen.

Schnell noch lesen

-.. daß Hermann Speelmans jetzt in Hamburg 1, Raboisen 88, Tel.: 33 48 03, zu erreichen ist.

... daß Harald Mannl, der zuletzt in dem Lieben- °

einer-Film „Blauer Stern des Südens“ spielte, für eine wesentliche Rolle des am 24. 9. begonnenen König-Films „Drei Kavaliere“ verpflichtet wurde.

-.. daß Rene Clair im Auftrag der RKO-Produ- zenten Wald und Krasna in Hollywood mit der Verfil- mung des Romans „Das Weib des Pilatus“ von Clare Booth Luce begann, dessen Titelgestalt, im Film Olivia de Havilland, mit den Augen der Römerin die Tragödie Christi erlebt.

... daß an Stelle des kürzlich ausgeschiedenen Louis B. Mayer jetzt der langjährige Produktionschef der MGM Dore Scharey den Posten des Präsidenten der Ge- sellschaft übernommen hat.

».. daß der Filmschwank „Atoll K“ mit Stan Laurel, Oliver Hardy und Suzy Delair, den Prisma in Deutschland verleiht, jetzt in Nizza mit großem Heiterkeitserfolg ur- aufgeführt wurde.

..daß MPAA-Präsident Eric Johnston, der im Januar zum Aufbau einer Regierungsstelle für Wirt- schaitsförderung berufen wurde, voraussichtlich im Ok- tober an seinen führenden Posten in der amerikanischen Filmwirtschaft zurückkehren wird.

-..daß die Filmfassung des bekannten Dramas „Die schmutzigen Hände“ von Sartre dem Pariser Uraufführungskino einen außerordentlichen künstlerischen und finanziellen Erfolg brachte,

... daß der Centfox-Film „All about Eve“ (Alles über Eva) im Pariser Broadway-Theater 19 Wochen in französischer Erstaufführung lief.

..„.daß Albert Lieven, der seit seiner Emigration jetzt in Hamburg bei der Verfilmung der Operette „Die Dubarry“ erstmalig wieder in einem deutschen Atelier steht, von Rank die Genehmigung erhielt, in zwei wei- teren deutschen Filmen mitzuwirken.

... daß der Hans Hass-Film „Abenteuer im RotenMeer“ vonliseSelckmann-Wienecke geschnitten wurde. Den Cutter-Arbeiten kam gerade bei Sayer Film besondere Bedeutung zu. (S. Kritik in Fiwo

r. 35).

... daß Franziska Kinz für ein Gastspiel in „Sechs Personen suchen einen Autor“ an das Kurfürstendamm- Tbaater nach Berlin verpflichtet wurde,

Zahlen beweisen!

WasdasHerzbefiehlt

(Veronika die Magd) Stuttgart

Universum-Lichispiele melden: 1. Woche über

20000 Besucher.

Publikum restlos begeistert!

Nürnberg Orpheum- Hans Sachs- Park-Lichispiele

melden: 1. Woche bei gleichem Einsatz - Termin

26 266 Besucher.

Prolongieren 2. Woche

„Sündige Grenze“ abgedreht

R. A. Stemmle hat mit Kameramann Igor Oberberg die Aufnahmen zu seinem im Prisma-Verleih erscheinenden CCC-Film „Sündige Grenze, die bei Aachen, in Bel- gien und im CCC-Atelier in Berlin-Spandau ge- dreht wurden, beendet. Der Film ist zur Zeit im Schnitt, den Walter Wischnewski betreut. Die Musik schreibt Herbert Trantow. :

Andıe Cayatte startete „Schwurgericht”

in Berlin

Zur deutschen Erstaufführung seines im Pal- las-Verleih erscheinenden Films „Schwur- gericht” (Justice est faite), der bei den Ber- liner Filmfestspielen einen „Goldenen Bären“ erhielt, weilte der französische Regisseur Andre Cayatte in Berlin. Er begab sich von dort aus an die deutsch-belgische Grenze bei Aachen, um die Außenaufnahmen zu dem europäischen Ge- meinschaftsfilm „Bankett der Schmuggler“ zu in- spizieren, dessen künstlerische Oberleitung er inne hat.

Amerikanischer Besuch in Geiselgasteig MPAA-Vertreter führten interessante Besprechungen mit deutschen Produzenten. Von links n. rechts: MPAA-Vize- präsident McCarthy, MPAA-Repräsentant für Deutsch- land Marc Spiegel und die Herren Rauschen. bach, Klagemann und Witt, Foto: MPAA

Ausgabe 39/51

FILMWIRISCHAFT.

Erich Menzel

Irrweg Staatsfonds

In unserer Artikelreihe über die Auswirkungen der Prädikatisierung durch die bundes- einheitliche Filmbewertungsstelle (s. auch Fiwo Nr. 38 „Vergnügungssteuer nur Finanzquelle für Fiskus?“, Nr. 37 „Konkrete Fragen an Länderfinanzminister” und Nr. 34 „Filmbewertungsstelle Mangel an praktischem Nutzen”) lassen wir heute Erich Menzel, den Leiter des Instituts für wissenschaftliche Filme in Erlangen über die fachlichen und filmkulturellen Gefahren der Staationdsbildung zu Wort kommen.

Es gibt verschiedene Meinungen und Pläne für die Überwindung-der deutschen Filmkrise. In einem Punkt sind alle Beteiligten einig. Staat, Filmwirtschaft und Theaterpublikum rufen nach dem „guten Film“.

Gute Filme sollen dem Publikum Freude machen oder erhebende Werte vermitteln: Sie müssen deshalb nicht in jedem Falle Kunst- werke sein, obwohl das Filmkunstwerk stets das Idealziel bleiben wird. Es genügt, wenn sie mit sauberer Gesinnung geplant, mit verantwortungsbewußtem, filmhandwerklichen Können gestaltet werden und einen so breiten Widerhall im Filmtheaterpublikum finden, daß ihre Herstellungskosten oder mehr wieder an den Produzenten, zurückfließen.

Der kluge Filmverleiher und Filmtheaterbe- sitzer sollte versuchen, aus Spiel- und Kultur- filmen dieser Art ein Qualitätsprogramm an- zubieten und aufzuführen. Damit wird er gleich- zeitig die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Filmtheaterbesucher erfassen und befriedi- gen, was sich auf die Dauer in einer Steigerung der Durchschnittsbesucherzahlen des einzelnen Filmtheaters auswirken wird.

Neben der allgemeinen Forderung nach Quali- tätsfilmen wird vor allem von staatlichen Vertretern die spezielle Forderung nach einer Selbstauslese im Bereich der Filmwirtschaft, vor allem der Filmproduktion, erhoben, Es wird behauptet, es gäbe zu viel Filmprodu- zenten und unter ihnen zu viel. schlechte. Das mag zum-Teil stimmen.

Eine andere Frage ist es allerdings, ob Miß- stände durch die Bildung und Verteilung von Staatsionds bereinigt werden können.

Daß die krisenhaften Schwierigkeiten der deutschen Filmindustrie zu einem ausschlaggebenden Teil durch die überhöhte Vergnügungssteuer hervorgerufen wurden, wird inzwischen auch von zuständigen staatlichen Stellen kaum noch ernsthaft bestritten. Die grundsätzliche Bereit- schaft des Staates, einen Teil der Vergnügungssteuer bei wertvoll anerkannten Filmen in die Filmproduktion zurückfließen zu lassen, ist dafür ein klarer Beweis.

Es ist auch durchaus vertretbar, wenn der Staat die Ermäßigung der Vergnügungssteuer nur solchen Filmen zugute kommen lassen will, die durch sachverstän- dige Organe einer strengen Auslese und Bewertung unterworfen worden sind. Die Grundsätze und das Ver- fahren, nach denen dies geschieht, sollten allerdings ver- öffentlicht werden, damit sie auch von den Sachverstän- digen außerhalb der Filmbewertungsstelle diskutiert und bestätigt werden können.

Die Meinung, daß Qualitätssteigerung und Selbstauslese in der Filmproduktion nur über die Bildung und Verteilung eines Staatfonds erreicht werden können, ist dagegen ein um- fassender Irrtum.

Denn eine gerechte und fachlich vertretbare Filmbewertung und die, damit verbundene Steuerermäßigung führen automatisch zu Quali- tät und Niveau in der Filmproduktion. Dazu kommt, daß für die gesamte Filmindustrie ein wirtschaftlich vertretbarer Anlaß gegeben seın

muß, die nicht geringen und in der gegenwärti-

gen Lage schwer ins Gewicht fallenden Kosten für eine Filmbewertung zusätzlich auszugeben.

Wenn ein bewerteter Film seinem Hersteller, seinem Verleiher und dem Theater einen di- rekten wirtschaftlichen Vorteil bringt, wird der Produzent seine ganze Kraft einsetzen, um den nächsten Film noch besser zu machen. Ver- ‚leiher und Theaterbesitzer werden sich um die Terminierung und die Aufführung des Films be- sonders bemühen. Dadurch wieder können höhere Besucherzahlen erreicht werden.’ (Dieser Vorgang ist nicht nur für Spielfilme, sondern vor allem für die Kulturfilmproduktion von fundamentaler Bedeutung).

Produzenten, die den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Filme über ‘die Steuerermäßigung erstre- ben, werden von selbst gezwungen, ihren Film- vorhaben den Qualitätsstandard zu geben, der

für die Filmbewertungsstelle ausreichend ist. Und sie erhalten ohne die Einschaltung eines Staatfonds den Beitrag, der ihnen direkt die Vorfinanzierung weiterer Filmvorhaben ge- stattet. * Sofern aber Gelder in einen Fonds geflossen sind und erst nach den Entscheidungen eines Gremiums für geplante Vorhaben freige- geben werden sollen, so steht dabei zunächst einmal fest, daß die Verwalter des Fonds na- turgemäß in noch viel stärkerem Maße Irrtü- mern ausgesetzt sind, als der erfahrene Film- fachmann. Es würde sich oft-genug heraus- stellen, daß die Filmbewertungsstelle Filme, die aus einem. Staatsfonds finanziert wurden, ablehnen müßte. Damit würde ein endloser und erfahrungsgemäß nicht zu schlichtender Streit zwischen den Herren des Staatsfonds und dem Filmhersteller ausbrechen, um zu ergründen, wer an dem Mißerfolg schuld ist. Daran kann vernünftigerweise niemandem etwas gelegen sein.

Schließlich ist zu bedenken, daß ein Produzent

berechtigterweise nur dann Filme bewerten lassen will, wenn er selbst für seine Be- mühungen belohnt wird. Die durch seine Lei- stung erbrachten Gelder sind unbillig verteilt, wenn sie über den anonymen Staatsfonds ent- weder Anderen oder ausgerechnet zur Stärkung seines Konkurrenten dienen, der thematisch und stilistisch gleichartige Filme herstellt wie er selbst.

Der Staatsfonds aus der Vergnügungssteuer wird mehr Verwirrung als Nutzen in der Film- produktion stiften und zudem erneut den Vor- wurf einer staatsgelenkten Filmproduktion auf den Plan rufen. Die bisherigen Ergebnisse staat- licher Einflußnahme auf die Filmindustrie, lassen ein weiteres Fortschreiten auf diesem Wege nicht gerade als besonders wünschenswert er scheinen.

Wie groß die Gefahren sind, in die tüchtige Staatsbeamte geraten, wenn sie versuchen, sich aui dem ihnen berufs- und arbeitsmäßiq frem- den Filmgebiet aktiv zu betätigen, hat gerade in jüngster Zeit der unglückliche Ausgang des Dokumentarfilmunternehmens auf der Loreley gezeigt. Nur ein mit allen Licht- und Schatten- seiten des Filmgeschäfts gründlich vertrauter Fachmann wäre imstande gewesen, die falschen Töne in der verführerischen Weise, mit der dieses Unternehmen angepriesen wurde, so rechizeitig zu entdecken. daß es des entzau- bernden Spiegels, in dem sich die Verantwort- lichen schließlich vor die peinliche Tatsache eines eklatanten Mißerfolges gestellt sahen, gar nicht erst bedurit hätte.

Gemeinsame Lösung - der bessere Teil

Offene Worte zur Unterbrechung der Verhandlungen zwischen * Zentralverband. Verleih und Produktion

In unserem „Kommentar zur Lage” (FIWO Nr, 36, Seite 460 a) waren wir u. a. zu der Ver- mutung gekommen, daß bei den Besprechungen zwischen Delegierten des ZdF einerseits und Vertretern von Produktion und Verleih auf der anderen Seite die Partner mit „vorgefaßt alter- nativenEinstellungen an den'Varhandlungsiisch” kommen würden. Die Auffassung hat inzwischen ihre Bestätigung gefunden: Am 20. September ließen Verleih und Produktion wissen, daß sie über den ZdF-Produktions-Finanzierungsplan dann weiter zu verhandeln gewillt sind,wenn eine Entscheidung über die unumgänglich notwen- dige Marktregelung vorliegt.

Bis dahin sollen die Besprechungen ruhen.

Der forsche Optimismus, der gelegentlich die Gespräche vom 14. und 20. September beglei- tete, hat sich somit’ vorerst.noch nicht in greif- bare Ergebnisse umsetzen lassen. Das kommt

. nicht allzu überraschend, wenn man als begrün-

det und gegeben annimmt. daß mit Finan- zierungsmaßnahmen allein noch nicht unbedingt die gesunde und zweckentsprechende Auswertungsbasis für Produktion und Verleih erreicht werden kann. Diese Meinung vertraten und vertreten jedenfalls nach wie vor kompetente Produktions- und Verleihvertreier. Deshalb war es kaum zu vermeiden, daß in den Verhandlungen mit den ZdF-Delegierten früher oder später das Wort Quota fallen mußte. Eben darüber wollten die Vertreter der Theatersparte sich aber nicht unterhalten, weil sie in ihrem Plan die Gesamtlösungq sehen oder sahen, das wird sich noch %eiaen.

So mußten zwangsläufig die Unterhaltungen unterbrochen werden.

Dem Vernehmen nach soll dieser Tatbestand erfreulicherweise nicht dazu führen, daß.erneut eine gegenseitige Protest- und Beschuldigungs- welle durch den Resolutions-Blätterwald rauscht. Der Zentralverband wird sich vermutlich in einer Präsidialsitzung mit der Situation befassen. Möglicherweise werden die Standpunkte außer- dem auf der in letzter Zeit stark vernachlässig- ten Spio-Ebene zur Sprache kommen. Was nicht ausschließt, daß inzwischen ‚beide Seiten in Bonn eine verstärkte Aktivität entfalten, um den fälligen definitiven Quota-Bescheid zu er- wirken.

Es bleibt qrundsätzlich zu hoffen, daß die Verhandlungspariner alles vermeiden, was zur Versieifung der Standpunkte und der verire- tenen Prinzinien führen könnte. Hinter dieser

Hoifnung stehen unabhängig von den er- iabrungsgemäß unprodukliven Folgen starrer Spartenaspekte-— konkrete sachliche Überle-

gungen, die im Einzelnen folgendermaßen ange- deutet werden können; \

i. Die im ZdF-Plan angestrebte Finanzierung der deut- schen Produktion schließt einen bestimmten Betrag des Eintrittsgeldes auch für ausländische Filme mit ein. Wir bringen hier Auslandsfirmen keines- wegs auf neue Gedanken (im Gegenteil, der Hinweis kam von dort an uns), wenn wir sagen, daß dadurch gewisse Rückwirkungen ausgelöst werden könnten, die sich beispiels- weise in einer bisher noch nicht gekannten Steigerung der Quantität und Qualität ausländischer Programme zu gün- stigsten Verleihbedingungen bemerkbar machen würden. Die damit eintretenden Folgen (z.B. der Terminverstop- fung) wären klar und sind durchaus nicht utopisch ent- wickelt, wenn man weiß, daß die Ausländer zwar der Quota zustimmten; sicher aber wenig Neigung zu noch größeren Zugeständnissen (der Produktions-Finanzie- rung) zeigen werden, ohne ihre größeren Möglichkeiten vell auszuspielen.

Aus dem Plan ist einstweilen noch nicht zu erkennen, was dagegen außer marktregelnden Maßnahmen ge- ian werden sollte.

2. Die in dem ZdF-Vorschlag angeregte Finanzierungs- methode zieli auf die Wiederherstellung einer starken Kapitalbasis ab, „um dadurch die Produktion gehaltvoller deütscher Filme zu ermöglichen, die zu annehmbaren Ver- leiasätzen ihren angemessenen Abnehmerkreis finden sollen.

Der Vorschlag enthält vorerst noch keine näheren EI- läuterungen darüber, wodurch diese Annahme garantiert Wirklichkeit werden kann, obgleich a) Wettbewerbs. bedingungen in freiester Form bestehen bleiben sol- len (s. oben), b) die Frage der konzentrierten und nur da- durch tatsächlih konkurrenzfähigen Firmen- struktur noch ungelöst ist (Kartellgesetze) und c) trotz- ° dem keinerlei Terminsicherungen verbindlich und auf breiter Grundlage konzediert werden sollen.

Es muß nicht besonders betont werden, daß wir uns bei der offenen Ansprache der im Zu- sammenhang mit dem Plan des Zentralverban- des auftauchenden Probleme nur von dem ob- jektiven Bemühen leiten lassen, für eine im Kern außerordentlich begrüßenswerte Absicht den realen Boden zu finden. Dabei muß folge- richtig der Gedanke vorherrschen, daß es in jedem Fall besser ist, unumgängliche Notwen- digkeiten fachlichüerlegen zusehen und untereinander abzustimmen. Das Gegenteil (das in den vergangenen Jahren

(Fortsetzung umseitig)

492 a

Filmwirtschaft 39/51

| Investitionshilfe-Gesetz bringst Kostensteigerung für Filmwirtschaft

Bereits kurze Zeit mach Beendigungder Parlamentsierien beriet der Wirtschaitspolitische Ausschuß des Bundestages den Gesetz-Entwurf über die „Investitionshilie der gewerblichen Wirtschaft“, Die Bundesregie- rung drängt auf schnelle Vorlage vor dem Plenum des Bundestages, zumal, wie erinnerlich, der Forderung des Bundeskanzlers auf Behandlung des Gesetzentwurfes noch vor den Parlamentsferien nicht entsprochen wurde. Außerdem sollen die Banken bereits jetzt die Investitionshilie mit 150 000 009 DM bevorschussen.

Man muß also trotz gegenteiliger Vorstellun-

gen die Lesung und die Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag für die nächste Zeit er- - warten, und es ist zweckentsprechend, sich mit dem Gesetz, so wie es in der Vorlage aussieht, und mit den zu. erwartenden Auswirkungen schon jetzt zu befassen-

Die Aufbringung der Investitionshilfe bedeu- tet neben der Kostensteigerung und den Steuer- erhöhungen eine neue fühlbare finanzielle Be- lastung der westdeutschen gewerblichen Wirt- schaft und damit auch der Filmwirtschait.

Zweck der Umlage

ist es, der Grundstoif-Industrie für Kohle, Eisen und Energieerzeugung die zur Kapazitätssteigerung vordring-

lichen Investitionsmittel in Höhe von 1 Milliarde DM durch -

eine Selbsthilfeaktion die Auflage von Auslandsanleihen ist ja verwehrt zuzuführen und gleichzeitig eine vorzei- tige Investition der güterverarbeitenden Industrie zu ver- hindern, Der Aufbringung kommt sozusagen die Bedeutung einer gelenkten Vermögensverlagerung zu. Sie besitzt nicht das Wesen einer Steuer, da die aufgebrachten finanziellen Mittel nicht dem Fiskus zufließen, sondern in den Wirt- schaitskreislauf zwangsmäßig gelenkt werden. Verzinsung und Abgeitung durch Wertpapiere geben der Umlage den Charakter einer Zwangsanleihe. Der Veräußerung der Wertpapiere ist eine dreijährige Sperririst, gerechnet vom Tage der Zuteilung, gesetzt. Dadurch werden evtl. nicht unbeträchtliche Vermögensteile einzelner Betriebe lang- fristig festgelegt.

Die Umlage ist eine einmalige Aktion, die zeitlich vom 1. 7. 1951 bis 30. 6. 1952 begrenzt ist. Jeder am 1. 1. 1951 bestehende oder im Laufe des Kalenderjahres neugegründete Ge- werbebetrieb ist zur Aufbringung heranzu-

ziehen.

Bei der Festlegung der Bemessungsgrundlage ist davon ausgegangen worden, daß der Unternehmer Aufbringungs- schuldner ist. Deshalb ist der sogenannte Unternehmer- anteil an der betrieblichen Wertschöpfung. zum Maßstab der Aufbringung gemacht worden, den man im Gesetz als Rohgewinn bezeichnet.

Dieser Rohgewinn errechnet sich aus den Betriebseinnah- men für steuerbare Lieferungen und Leistungen im Sinne des $ 1 des Umsatzsteuergesetzes im Kalenderjahr 1951 ab- züglich der Aufwendungen für Material- und Personalein- satz, zuzüglich der Aufwendungen für Verbrauchssteuern, gezahlte Soll-Zinsen und bei Einzelunternehmen und Per- sonengesellschaften eines Pauschalbetrages ähnlich dem sogenannten Unternehmerlohn. x

Von diesem Beitrag, in welchem demnach die üblichen Gemeindekosten der Fertigung oder des Vertriebes noch ent- halten sind, sollen 5 vH als Aufbringung in zwei Raten an die Industrie-Kreditbank oder ihre Hilfsstellen abge- führt werden. Die erste Rate wird, wie man in Regierungs- kreisen erwartet, noch vor Ende dieses Jahres auf der Berechnungsgrundlage vom 1. 1. 30. 6. 1951 fällig sein,

Die Betriebe nehmen ihre Veranlagung selbst vor, wäh- rend den zuständigen Finanzämtern die-Bemessung, Begut- achtung und Bearbeitung der Selbstveranlagungen zufällt. Nur wenn der endgültige Aufbringungsbetrag 400 DM nicht erreicht, entfällt für den einzelnen Betrieb die Aufbring-

pilicht

Die Bemessungsgrundlage ist in ihrer Gestaltung nicht ohne weiteres auf die Betriebe der Filmwirtschaft anzuwenden. Der Film ist nicht im üblichen Sinn ein Indu- strieerzeugnis oder eine Handelsware. Der $ 10 des Gesetzesvorschlages sieht zwar vor, daß bei Fehlen der allgemeinen Bemessungsgrund-

Gemeinsame Lösung . .: (Fortsetzung von Seite 492a)

wechselseitig oft genug praktisch „erprobt“ wurde) kann immer nur dazu führen, daß ein Gesetz als Schiedsspruch von mehr oder weni- ger versierten Beamten erlassen wird oder die „freieste Freiheit“ den Wunsch nach dem Ex- trem, der. formal gebundenen Ordnung wach werden läßt.

Um die Wiederholung dessen, was bisher keinen Schritt weiter brachte, zu vermeiden, dürfte es an der Zeit sein, daß jetzt in Ge- sprächen nicht mehr Systeme prinzipiell ableh- nend oder zustimmend, sondern Modalitäten behandelt werden, die zur umfassenden Lösung der offenbar nicht zu trennenden Finanzierungs- und Marktregelungsproblematik führen.

„Man sollte annehmen können, daß sich noch genügend Verbandsvertreter stark genug fühlen, um bei ihren Mitgliedern nicht nur über die Vorteile der eigenen Auffassung und die Nach- teile anderweitiger Darlegungen zu refe- rieren. Hoffentlich findet diese Annahme in ab- sehbarer Zeit ihre Bestätigung durch einen echten Gedankenaustausch auf objektiver Ebene, der von der Einsicht getragen ist, daß die deut- sche Filmwirtschait mit einergemeinsamen Lösung den besseren Teil wählt.“ („Kommentar zur Lage“, Fiwo Nr. 36)

492 b =

lage eine abweichende Bemessungsgrundlage oder ein abweichender Aufbringsatz anzuwen- den ist. Dieser Paragraph bezieht sich jedoch mehr auf die Fälle, in welchen der allgemeine Aufbringungssatz offensichtlich zu einer über- mäßigen Beanspruchung der Liquidität führen könne. Inwieweit dieses auf die Gewerbe der verschiedenen Filmwirtschaftszweige zutrifft, müßte noch festgestellt werden. Der $ 6 setzt für die allgemeine Bemessungsgrundlage Lizenzgebühren und andere gewerbliche Schutz- rechte dem Aufwand für Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens, d- h. also einem Material- wert, gleich, Hierunter dürften demnach die Lizenzkosten, die Leihmieten und alle Gebüh- ren und Abgaben fallen, welche in wirtschaft- lichem Zusammenhang mit der Leistung des Betriebes, d. h. also der Herstellung des Films, der Verleihung des Films und der Vorführung des Films stehen.

Man wird in den Sparten der Filmwirtschait genaue Feststellungen treffen müssen, welche leistungsbezogenen Aufwendungen als abzugs- fähige Beträge im Sinne des Gesetzes vorlie- gen können.

Es ist in dieser Verbindung\zum Beispiel auf die hohen Reklamekosten hinzuweisen, welche den drei Sparten, Pro- duktion, Verleih und Theater, entstehen. Im Gegensatz zu anderen gewerblichen Betrieben ausgenommen vielleicht die Markenartikel- und Tabakwarenindustiie ist in der Filmwirtschait die Propaganda leistungsbezogen, So- weit bekannt wurde, ist bei den Beratungen im wirtschaits- politischen Ausschuß des Bundestages der Werbungsnot- wendigkeit für alle Gewerbe schon wenigstens bis zu einer Höhe von 70 vH der Aufwendungen Rechnung getragen worden. Für die Anerkennung der Abzugsfähigkeit weiterer Aufwendungen, welche bei der Produktion, im Verleih und im Filmtheater in enger Verbindung -mit der Leistung ste- hen, müssen m.E,. eindringliche Vorstellungen bei den zuständigen Stellen erhoben werden, insbesondere mit dem Hinweis, daß die Liquidität der Betriebe zu weitgehend beansprucht wird. Eine Anzahl der Betriebe, z.B. Produk- tionsfirmen, arbeiten nur auf Kreditgrundlage und sind praktisch nicht in der Lage, zusätzliche Zahlungen zu lei-

sten. Die Schwierigkeit der Zahlung liegt ja darin, daß die Aufbringungsbeträge keine Kosten sind und deshalb nicht abgewälzt werden können, sondern aus dem Vermögen ‚geleistet werden müssen. Der $ 20 sieht zwar eine Stun- dung und einen Erlaß in besonderen Ausnahmefällen vor, beschränkt die Möglichkeiten aber gleichzeitig durch die Bestimmung, daß Stundung nur gewährt werden kann, wenn der Aufbringungsschuldner nicht über Guthaben und 4ällige Forderungen verfügt oder sich den Aufbringungs- 'betrag auf zumutbare Weise, z. B. durch Veräußerung von Vermögensteilen, ‘beschaffen kann.

Die Finanzbehörden versicherten zwar, daß die kreditgebenden Banken gewillt sein wer- den, die Aufbringungsbeträge zu kreditieren.

Die Möglichkeit hierzu besteht wohl schon im

.Hinblick darauf, daß die Banken für den Kre- . dit die zu erwerbenden Wertpapiere als Sicher-

heit in Übereignung nehmen. Diese Kredit- nahme ist allerdings für den Kreditnehmer ein schlechtes Geschäft. Er wird für den Kredit wahrscheinlich etwa 10—12 Prozent Zinsen zah- len müssen, während der Aufbringungsbetrag mit 4 Prozent verzinst wird.

Lizenzzahlungen an Italien

Auf Grund des am 30. Juni 1951 unterzeich- neten Protokolls über die filmwirtschaftlichen Bestimmungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung Italien (vergl. Bundesanzeiger Nr. 156 v. 15. August i95i) können nunmehr die Erträgnisse aus dem Ver- kauf und der Auswertung von Spielfilmen und Kurzfilmen, die den Charakter von Dokumentar- filmen, Fachfilmen oder Kulturfilmen haben, sowie von Wochenschauen im Wege des deutsch- italienischen Zahlungsabkommens überwiesen werden, sofern die berechtigten Einfuhrgenehmi- gungen beiFilmeninOriginalfassung nach dem 31. August 1951 erteilt worden sind.

ND-Genehmigungen für derartige Überwei- sungen nach Italien werden auf Grund der vom Bundeswirtschaftsministeriums erteilten Einfuhr- genehmigungen von den Landwirtschaftsministe- rien ausgestellt.

Die auf der Grundlage des am 30. Juni 1951 abgelaufenen Abkommens über den Austausch von Filmen zwischen Italien und Westdeutsch- land vom 28. September 1949 zugelassenen Filmgeschäfte werden weiterhin. über die in diesem Abkommen vorgesehenen Filmkonten abgewickelt.

Filmausschuß gegen Bavaria-Verkauf

Der Bundestagsausschuß für Presse, Rundfunk und Film hielt auf Einladung des Bayerischen Wirtschaftsministers Dr. Seidl im Münchener Wirtschaftsministerium am 20. 9. eine ordent- liche Sitzung ab. Zur Debatte stand die Öfient- liche Ankündigung des Verkaufs des Ufi-Ver-

-mögens. Zu Beginn der im Anschluß stattfinden-

den Pressekonferenz informierte Dr. Vogel die anwesende Fach- und Tagespresse über fol- gende drei Punkte, die der Ausschuß dem Bun- destag vorlegen wird:

. Der Bundestagsausschuß für Presse, Funk und Film legt gegen die Ausschreibung der Alliierten Hohen Kommission im Bundesanzeiger, den Verkauf zweier Kom- plexe des Ufi-Vermögens betreffend, Ver- wahrung ein. Diese Maßnahme sowie die alliierte Note vom 10. August d. J. ist auf Grund der von den westlichen Außenmini- tern in Washington geführten Verhandlungen sachlich überholt und nicht mehr zu rechtfer- tigen.

2.Die Bundesregierung wird er- sucht, noch einmal an die Hohe Kommis- sion heranzutreten und die geeigneten Schritte zu unternehmen, um die Gegenseite auf die veränderte Situation aufmerksam zu machen.

-_

.Diese Ansichten sollen auch durch den Vor- sitzenden dem Ausschuß für auswär- tige Angelegenheiten unterbreitet werden. =

w

In der folgenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß kapitalstarke Filmgesellschaf- ten: geschaffen werden müßten, die von sich aus in der Lage sind, den Kreditgebern ge- nügende Sicherheiten zu geben. Das Wichtigste sei eine Neuordnung der Filmindustrie. Man müsse so führte Abgeordneter Mende (FDP) aus einen Mittelweg zwischen der ver- gangenen Ufa und: der zur Zeit bestehenden Zersplitterung finden.

Die Qauotafrage, die der nächsten Aus- schuß-Sitzung vorbehalten ist, stand dieses Mal nur am Rande zur Debatte. Abgeordneter Karl Brunner (SPD) führte den Standpunkt sei-

Bavaria-Studios zu unterhalten.

ner Partei zur Quotaregelung dahingehend aus, daß man zunächst die Finanzierungsfrage ge- löst wissen müsse, worauf Dr. Most von der Fifi zu bedenken gab, ıdaß die Finanziers auf der anderen Seite wiederum zuerst auf die Markt- regelung warteten, bevor sie an die Finanzis- rung gehen wollen.

Abgeordneter Hennig (SPD) führte weiter aus, es sei an der Zeit, mit dem oft diskutierten Prinzip der freien Marktwirtschaft einmal Ernst zu machen. Die notwendigen Kapitalmittel für eine Filmbank müssen aus den Rückläufen der Steuereinnahmen genommen werden.

Der Nachmittag des 20. September diente einer Besichtigung Geiselgasteigs durch die Mitglieder des Bundestags-Ausschusses. Er gab ferner Gelegenheit, sich mit Direktor Fritz Thiery über schwebende Fragen bezüglich der Weigl

Neue Hoffnung für Geiselgasteig

Wie bereits kurz in Nr. 38 der FW gemeldet, wurden jetzt endlich nach monatelanger Stag- nation 4 Produktionsfirmen Ausfallbürgschaften des bayerischen Staates erteilt. Dieser Tropfen auf einen heißen Stein, der zugleich aber auch ein Hoffnungsschimmer ist, stellt die am 9. 8, auf der Notkundgebung in Geiselgasteig ge- forderte Übergangshilfe dar. ;

Der Zusammenschluß der 4 Produzenten Witt, NDF, König und Helios ist insofern ein Novum, als eine gegenseitige Haftung für gegenseitige Verluste mit 70 vH des Einspielergebnisses besteht. Eine Inanspruchnahme der Staatsbürg-

schaft ist damit aller Voraussicht nach ausge-

schaltet.

Auch die noch nicht ganz geklärte Frage der Refinanzierung wartet einer baldigen positiven Entscheidung. Erst nach Zustandekommen dieser gegenseitigen Garantie war Finanzminister Zietsch bereit, der Staatsbürgschaft für die vier Filme überhaupt näherzutreten.

Gedreht werden: Ein Bertha v. Suttner-Stoff „Herz der Welt“ (NDF); eine Gesellschaitskomödie „Ich heiße Nicky“ (Witt); „DreiKavaliere* (König- film) und „Haus des Lebens“ (Helios). Wg-

Aktuelles Filmeecht

Plagiatsprozeß „Sensatiomin San Remo“ beendet

Wie wir in unserer letzten Ausgabe mitteil- ten, hatte der Direktor des Folkwang-Tanz- theaters in Essen, Kurt Jooss, gegen die Her- steller des Films „Sensation in San Remo“ einen Plagiats-Prozeß angestrengt mit der Begrün- dung, daß die unter der Bezeichnung „Sittlich- keitskommission“ laufende Szene des Films auf sein Tanzdramıa „Der grüne Tisch“ zurückgehe.

Das Essener Landgericht führte am 17., 18. und 20. September Verhandlungen durch, die mit der Vorführung des Tanzdramas und des Films begannen.

Dabei bestritt die Filmseite nicht gewisse Ähnlichkeiten, die jedoch zufällig. entstanden seien. Umgekehrt konnte die Gegenpartei auch

nicht Unterschiede in Abrede stellen.

Als Zeuger der Filmpartei traten die Balleitmeisterin des Filmes Sabine Reß und Filmproduzent Roli Meyer auf. Film-Choreograf Jens Keith gab als Sachverständi- ger kund, daß es sich bei den länzerischen Bewegungen um allgemeinübliche Kenntnisse versierter Tanzmeister handele. Eidesstattliche Aussagen von Georg Jacoby, Ma. rika Rökk, Werner G. Stammer und den Maskenbildnern lagen dem "Gericht schriftlich vor.

(Ganz allgemein gab es noch andere Tanzkünstler, die am „grünen Tisch“ Urheberrechte beanspruchen: Hanna Spohr, frühere Dortmunder Ballettmeisterin, behauptet, Jooss habe ihre Inszenierung „Die Sitzung“ im „grünen Tisch“ ausgewertet und bekräftigte diese Aussage durch ihren Eid. Walewska Gehrt "behauptet das gleiche in einer schriftlichen eidesstattlichen Erklärung in bezug auf ihre Tanzszene „Der Tod“. Um die Verwirrung vollständig zu machen, behauptet der Drehbuchautor Edgar Kahn, die „Sittenkommission“-Szene des Filmes sei ein Plagiat aus einem von der Jungen Film-Union abgelehnten Dreh- buch von ihm).

Die Ballett-Partei bestritt die Zufälligkeit mit Sachver- ständigen-Gutachten. Persönlich sagen in diesem Sinne aus: ‚die Balletlmeisterinnen Olga Brand-Knack, Ham- burg, und Yvonne Georgi, Düsseldori, sowie der Tän- zer Karl Bergest, Köln, und die Kunstkritiker Dr. Hannes Schmidt, Essen, und Fritz Herwagen.

Die Vernchmung ergab, daß die Filmchcereographin Reß zurzeit der Uraufführung des „Grünen Tisches* 1932 in Paris weilte und am folgenden Tage dort einen eigenen Tanzabend halte. Infolge Erkrankung habe sie das Jooss- Ballett aber nicht gesehen, nur ein Foto (Tod mit Fahne) mit Gewißheit, andere vielleicht zu Augen bekommen und Erzählungen von Kollegen über die Inszenierung gehört. Auch habe sie keine Anregungen von einem Tänzer er- halten, der sowohl im Jooss-Balleft wie im Film einer der Männer am Tisch gewesen sei. Die bekannten „Spiegel”- Artikel über die Nevaufführungen des Balletts und den U:heberanspruch von Hanna Spohr seien ihr erst, nach der Klage von Jooss bekannt geworden.

Der Verteidiger der beklagten Filmseite wies in seinem Plädoyer vor allem darauf hin, daß der gesetzliche Schutz vor Plagiaten in der Tanzkungt nur selten anwendbar sei. Er beantraget Aufhebung der einstweiligen Verfügung und erhob Einspruch gegen die zweite einstweilige Verfügung notfalls unter Bereitstellung einer Sicherheit,

Der Vertreter des Klägers stützte sich in seinem Plä-. doyer auf die Sachverständigen-Gutachten und bestritt die Behauptung der Gegenseite, 'daß die Filmszene vorwiegend musikalisch und est in zweiter Linie tänzerisch zu werten sei. Film sei in erster Linie immer optisch, ‘hier also tänzerisch, zu beurteilen.

In seinem Urteil bestätigte das Essener Landgericht prak- tisch die gegen die fragliche Szene bestehende einstweilige Verfügung mit der Maßgabe, daß der ursprüngliche Schnitt der Szene von 95m auf 57m reduziert wird. 5

Union-Streit geht weiter

Am 19. September wurde vom Landgericht München I, der 1. Kammer für Handelssachen, eine einstweilige Verfügung gegen den Inhaber des Consortial-Filmverleihs, Richard v. Shenk erlassen. Wegen der Dringlichkeit des Falles wird durch den Vorsitzenden ohne vorgängige

mündliche. Verhandlung angeordnet: I. Dem Antragsgegner wird bei Meidung einer Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder einer Haftstrafe bis zu 6 Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandiung unter- sagt, den von der Firma „Production Sacha Gordine*, Paris, hergestellten Film „Ded&e d’Anvers“ ("Die Schenke zum Vollmond“) unter die. sen oder anderen Titeln in Deutschland in Original- fassung oder in einer deutschnachsynchronisierten Fas- sung vorzuführen oder vorführen zu lassen. II. Der Antragsgegner hat die Kosten des Verfahrens zu .. tragen. III. Der Streitwert wird auf 20 000 DM iestgesetzt. Trotz der am Vormittag erlassenen Verfügung führte

Herr von Schenk als Chef des Consortial-Verleihs den um-,

stritttenen französischen Film „Die Schenke zum Voll. mond“ Münchner Filmtheaterbesitzern im Hasso-Vorführ- raum, Goelhestraße 28, machmittags vor. Wie bereits in Nr. 36/51 der FW erwähnt, gab der Lieferungsverzug des Films „Schenke zum Vollmond“ Anlaß zu der Auseinander- setzung zwischen der Union-Film, die einen Verleihvertrag für die Deutschland-Auswertung des Films abgeschlossen hatte, und der französischen Sacha Gordine-Produklion. Union-Anwalt Dr. Hans Falthauser erschien mit einem Gerichtsvollzieher kurz vor Beginn der Vorführung in der Goethestraße, um den Text der Verfügung den’ ver- sammelten Filmtheaterbesitzern vorlesen zu wollen. Herr v. Schenk konnte dies durch den Hinweis, daß damit Haus- friedensbruch begangen werden würde, verhindern. Die einstweilige Verfügung berühre ihn nicht, das wäre eine Angelegenheit zwischen Union und Sacha Gordine. Er habe einen ordnungsgemäßen Verleihvertrag. Auch sei ihm beim Abschluß von Michael Nicola Vondas (Gordine'’s Ge- neraldirektor) ausdrücklich erklärt worden, der frühere Vertrag mit der Union sei ungültig und gekündigt. Wg—

Filmwirtschaft 39/53

Örtliche Verleihertagung Düsseldorf behandelt: Sauberkeit in der Branche

Am 17. September fand unter Vorsitz von Willy Karp in Düsseldorf eine örtliche Tagung des Verleiherverbandes statt, auf der Geschäfts- stellenleiter Rudolf Schu die

Denkschrift des Verleiherverbandes über

) Vertragsbrüche verlas (s. „Der redliche Theaterbesitzer ist nicht betroffen“ Fiwo Nr. 38/51, S. 478c) und dabei darauf hinwies, daß mit dem in der Denkschrift vorgelegten Material alle voreiligen Versuche, die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen, die aus der Verschuldung durch säumige Abrech- nung, säumige Zahlung und Abrechnungsdiffe- renzen entstehen, bagatellisieren zu wollen, hinfällig und unverantwortlich sind. Schu teilte mit, daß z. B. im Düsseldorfer Verleihbezirk nur rund 25 vH aller Theaterbesitzer ihre Film- leihmieten innerhalb von vierzehn Tagen be- gleichen.

Anschließend wurde ein Kurzbericht über die bisherige erfolgreiche Arbeit der Verbands- geschäftsstelle verlesen, worin u. a. hervor- gehoben wird, daß allein im Düsseldorfer Ver- leihbezirk. innerhalb eines Jahres durch Mahn- schreiben, Moratorien und Treuhandschaften über 100 000,— DM von Seiten des Verbandes

eingetrieben werden konnten. Sechs Fälle von

Vertragsverletzungen lagen vor, von denen einer zur endgültigen Einstellun der Filmlieferungen (auch nicht mehr per Nachnahme! führte und ein weiterer einer sofortigen Revision durch die Abrechnungskontrolle zugewiesen wurde. In zwei Fällen wird nur noch per Nachnahme in Zukunft gelie- fert werden und die zwei restlichen Theater wurden dem neugebildeten Moratoriumsausschuß zur Uberwachung ge- stellt, Bei dem Punkte

Theaterübernahmen i standen sechs Vorgänge zur Behandlung: zwei blieben

einstweilen offen und zwei wurden zwischenzeitlich durch '

Übernahme der früheren Verleihverträge bzw. durch güt- liche Vereinbarungen mit den betreffenden Verleihfirmen erledigt. In einem weiteren Falle sollen bis. zur Rege- lung keine Neuabschlüsse getätigt werden und im letzten Falle wird noch vorerst eine eventuelle Feststellungsklage erwogen.

Dann befaßte man sich mit

Preiseinbrüchen, wobei vor allem Koblenz zur Sprache kam, wo ein neues Filmtheater (noch nicht eröffnet) den üblichen Mindest- eintrittspreis unterschreiten möchte. Man sprach sich ein- mütig gegen derartige Methoden aus, deren Beispiel sonst Schule machen würde. In ähnlicher Weise nahm man auch zu Mülheim/Ruhr Stellung, wo zwei Filmtheater bei Nacht- vorstellungen nur 0,50 DM Eintritt erheben.

Bei dem Tagesordnungspunkt

Reklamematerial wurde seitens vieler Mitgliedsfirmen Beschwerde geführt darüber, daß die meisten Filmtheaterbesitzer die ihnen

übersandten Plakate einfach nicht bezahlen und bei An- mahnungen unsachlich-grobe Briefe schreiben, worin mei- stens darauf hingewiesen wird, daß die anderen Verleih- firmen überhaupt keine Reklamematerial-Kosten in Rech- nung stellten. In eingehender Diskussion wurde geklärt, daß diese Behauptungen fast im allen Fällen nicht den Tatsachen entsprechen und daß es sich meistens um sehr geschickte Tarnungsmanöver handele. Die Mitglieds- firmen wollen deshalb in Zukunft mit allen Mitteln gegen diese unerfreulichen Geschäftspraktiken vorgehen, ‚Abschließend wurde über

Abschlußgemeinschaften gesprochen. Als in diesem Zusammenhange das Düssel- dorier Filmbüro Max Stüdemann erwähnt wurde, stellte man fest, daß hier stets korrekt gearbeitet würde und man die Verleihfirmen in ‘keiner Weise unter Druck setze, so daß von einer unerlaubten Konzernbildung im kartellrechtlichen Sinne hier keine Rede sein könne. Gt

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Bezirksversammlung in Hessen:

Aktiver werden

Am 19, September tagte in Frankfurt der Landesver- band Hessen des Wirtschaftsverbandes der Filmtheater. Gustav Zimmermann führte u. a. aus, daß die Gema- gebühren dem Tonfilm nicht mehr gerecht. würden, da die gesetzliche Regelung aus dem Jahr 1870 stamme. Zur neuen Forderung der Gema liege dem Bundespreisamt bereits ein Gegenantrag des Verbandes vor. Ferner sei nun unbedingt eine neue Eintrittspreisregelung notwendig; die kleineren Theater mit einem Umsatz unter 100000 DM im Jahr lebten zum großen Teil nur noch von der Substanz.

Nachdem die Prädikatisierungsstelle in Wiesbaden die Arbeit aufgenommen habe, stünde zu er- warten, daß man über eine Neuregelung der Vergnü- gungssteuer in Hessen verhandeln werde. Es sei lediglich eine Verordnung nötig, die bestimme, daß Filme mit einem Prädikat Steuernachlaß genießen, Zimmermann warnte die Kollegen nochmals vor Handlungen gegen die Bestimmungen der Selbstkontrolle. Es seien sehr vernünflige Besprechungen. mit Pfarrer Born- gässer, dem katholischen Vertreter der FSK geführt wor- den. Durch die Verstärkung der Verteidigungstruppen sei die Beschlagnahme neuer Kinos möglich, Die Schadenersatz- und Änderungspläne im Hinblick auf die bisher von der Besatzungsmacht benutzten Theater habe man vorgelegt, der Erfolg sei aber bisher ausgeblieben.

Herr Lubliner, Delegiertes Mitglied der Tarifkom- mission beim ZDF, sprah von. dm Zusammen- schluß der, Erstauiführer der 12 Schlüssel. städte als Abwehrmaßnahme gegen bestimmte Maßnahmen des Verleihs.

Protestiert habe man gegen den Beschluß der US-Verleih. firmen, den Werrbezuschuß für Erstauifüh- rer zu streichen, da diese die Aufgabe hätten, die Filme bekannt werden zu lassen. Ein größerer Aufwand und ein größeres Risiko seien die Folge. Lubliner wandte sich scharf gegen den Plan, die Kinobesitzer an den Investi- tionsabgaben des Bundes zu beteiligen. (S. hierzu „Investitionsgesetz bringt Kostensteigerung“ in die- ser Ausgabe).

Die Versammlung nahm zum Schluß nach reger Diskus- sion eine Resolution an den Zentralver- band an, die fordert, daß der ZdF in puncto Verleih- bedingungen und Eintrittspreisregelung aktiver EAN

Beamte sollen der Bevölkerung dienen

Auischlußreicher Brief eines Verbandsgeschäftsführers an einen Regierungspräsidenten

Das Gewerbeamt Frankfurt/M. teilte dem WdF Hessen mit, daß der Verkauf von Süßwaren nur hinter der Einlaßsperre der Filmtheater erfolgen darf, um zu verhindern, daß möglicherweise nach Ladenschluß in Filmtheaterräumen Süßwaren an Nichtbesucher verkauft werden.

Der Hinweis des Geschäftsführers des WdF Hessen, daß diese Verordnung vielfach untrag- bare Umbauten erforderlich machen würde und grundsätzlich nur berechtigt sei, falls Theater nach 19 Uhr Süßwaren an Nichtbesucher verkaufen würden, änderte den Standpunkt des Gewerbe- amtes nicht, 8

Daraufhin schrieb der Geschäftsführer an den Regierungspräsidenten einen Brief, dessen Inhalt über den Tatbestand hinaus von allgemeinem Interesse ist, weil hier erfreulich offene Worte über das Verhältnis zwischen Beamten und Be- völkerung gefunden wurden.

„Wir bitten Sie daher, Ihren Aufsichtsorganen Weisung zu geben, daß sie nur dann einschrei- ten und Strafanzeige vorlegen, wenn die Tat- bestandsmerkmale eines verbotswidrigen Ver- kaufs an andere Personen als Filmtheaterbe- sucher nach den eingetretenen Ladenschluß-

zeiten vorliegen.

Es geht in einem geordneten Staat nicht darum, daß die Bevölkerung sich AnordnungenderBehördezuliebeunter. wirft, sondern daß die Behörde einem bestehenden Bedürfnis der Bevölke- rung durch vernünftige Aufstellung von Verwaltungsvorschrifiten Rech- nung trägt. Im vorliegenden Falle hat man sich an- scheinend von diesem Gesichtspunkt nicht leiten lassen.

Die große Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die z.B. durch immer weiter ansteigende steuerliche Belastungen ausgelöst wird, führt zu einer Animosität gegen Behör- den und ihre Organe, wenn staatliche Einnahmen dazu Verwendung finden, um in kleinlicher Weise Kontroll- organe zu beschäftigen. Bei der ungeheuren Notlage breiter Bevölkerungsschichten und auch der Notlage des

Staates selbst, sollte man bei Regelungen, die das Lebensbedürfnis der Menschen betreffen, auch diesen Gesichtspunkt außer acht lassen und die Freiheit des einzelnen Individuums, in diesem Falle des Filmtheater- besitzers und seiner Besucher, in seiner Handlungsweise nicht mehr beeinträchtigen, als